Der FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig sollen nach Informationen von Sky Interesse an einer Verpflichtung von Karim Adeyemi haben. Mehr noch: Dem Sender zufolge haben alle drei Bundesligaklubs bereits mit der Adeyemi-Seite gesprochen. Angeblich will sein Verein mit dem Transfer "30 bis 40 Millionen Euro generieren", berichtet ein Sky-Reporter.

Kein Wunder: Der pfeilschnelle und trickreiche Offensivspieler überzeugt Woche für Woche in Österreich und der Champions League – in 16 Partien erzielte Adeyemi (Vertrag bei RB Salzburg bis 2024; Anm. d. Red.) wettbewerbsübergreifend sensationelle elf Tore, zudem legte er noch zwei weitere Treffer auf. Im September gab er zudem unter Bundestrainer Hansi Flick sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft – und erzielte auch dort prompt ein Tor. 

Die heißeste Spur führt nun ganz sicher zum deutschen Rekordmeister. Adeyemi ist in München geboren, spielte einst für die Nachwuchsabteilung des FC Bayern und landete dann über Umwege in Österreich. Die Frage ist nur:

Sollte Karim Adeyemi wirklich zurück zum FC Bayern wechseln?

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Pro

Ja, das ist für alle Seiten der perfekte Schritt

Schon 11 Tore in 16 Saisonspielen für Salzburg – und gerade in der Champions League spielt er groß auf. Adeyemi beweist mit gerade 19 Jahren nicht nur, dass er das Zeug für die Nationalelf hat, sondern auch für Bayern. Eine Rückkehr in seine Heimat ist nicht nur logisch, sondern für alle Seiten der perfekte Schritt.

Für Bayern: Adeyemis großer Trumpf ist seine Flexibilität. Er kann mit seiner Schnelligkeit ab 2022 Kingsley Coman als Flügelstürmer ersetzen, wenn der verkauft wird – und dann gemeinsam mit Lewandowski stürmen. Genauso gut aber auch anstelle des Polen. Denn: Adeyemi kann Sturmzentrum, wie er in Salzburg zeigt. Vielleicht wird er sogar Lewandowskis Nachfolger.

Für Adeyemi: Österreich wird zu klein. Den nächsten Schritt macht er am besten bei Bayern. Dort laufen Megatalente nicht wie früher vor die Wand, sondern entwickeln sich hervorragend – wie Musiala und Davies.

Für die Fans: Wenig ist bei Bayern wichtiger als Identifikation. Adeyemi ist Münchner.

Für das Bayern-Konto: Adeyemi kostet geschätzte 30 Millionen Euro Ablöse und acht Millionen Euro Gehalt. Damit ist er für Bayern im Gegensatz zu Erling Haaland finanzierbar. Der zweite große Vorteil gegenüber dem Norweger neben der Identifikation.

Und weil Haaland ohnehin nicht kommen wird, braucht Bayern Adeyemi.

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Kontra

Nein, Adeyemi passt nicht zum FC Bayern

Als Kind war Karim Adeyemi Bayern-Fan, er kommt aus München und scheint einer Rückkehr nicht abgeneigt zu sein. Dabei wäre genau das absoluter Wahnsinn. Der 19-Jährige passt überhaupt nicht zum Rekordmeister. Adeyemi ist kein klassischer Mittelstürmer, sondern einer, der über das Tempo kommt. Bayern bestimmt mindestens 90 Prozent seiner Spiele. Adeyemi aber braucht Platz, steile Bälle, einen guten Konterangriff.

Ein weiterer Punkt: Für wen soll Adeyemi eigentlich spielen? Der FC Bayern hat im Angriff ein Überangebot. An Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry kommt er nicht vorbei, Eric Maxim Choupo-Moting ist viel erfahrener. Keine Chance. Klar: Adeyemi kann auch Linksaußen spielen. Doch auf dieser Position sind die Bayern mit Kingsley Coman und Leroy Sané ebenfalls topbesetzt.

Und noch etwas kommt hinzu: Sollte man wirklich zu einem Verein zurückkehren, der einen zweimal abgewiesen hat? Bloß nicht! Doch genau das hat der FC Bayern mit Adeyemi gemacht. 2011 beendete der Klub die Zusammenarbeit mit dem damals neunjährigen E-Jugendspieler – angeblich auch wegen Disziplinlosigkeiten. Und in der vergangenen Woche verriet Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, dass das Toptalent seinem Verein später noch mal angeboten wurde. Zu einer Zusammenarbeit kam es aber bekanntermaßen nicht …

Wer hat recht?

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.