Trainer weg, Sportdirektor weg, Abwehrchef weg – und dazu viele Fragezeichen: RB Leipzig steht vor einem Umbruch in diesem Sommer. Mindestens. Fans und Experten fragen sich: Wird der Klub die namenhaften Abgänge kompensieren und auch künftig Bayern-Verfolger Nummer eins sein können oder nach Jahren des Aufschwungs wieder nach unten schauen müssen?

Immerhin: Einen Nachfolger für Trainer Julian Nagelsmann, der zum FC Bayern wechselt, hat RB in Jesse Marsch bereits gefunden. Offen ist noch die Position des Sportdirektors – genauso wie es einige Positionen im Kader sind. Dayot Upamecano wechselt für 42,5 Millionen Euro zu Bayern, Ibrahima Konaté soll sich nach übereinstimmenden Medienberichten mit dem FC Liverpool einig sein, der die Ausstiegsklausel über gut 40 Millionen Euro ziehen will. Und Leistungsträger wie Marcel Sabitzer oder Torwart Péter Gulácsi lassen den Verein mit einer Entscheidung zappeln.

Bricht RB Leipzig jetzt auseinander?

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Pro

Ja, Leipzig wird zerbrechen

Wenn man es einem Verein zugetraut hat, dem großen FC Bayern zukünftig ernsthaft Paroli zu bieten, dann RB Leipzig. Doch dem sportlichen Aufbruch folgt nun der Einbruch. Trainer weg, Sportdirektor weg, bester Spieler weg. Der Klub stand in dieser Saison am Scheideweg. Die Frage lautete: Schließt RB zur europäischen Fußball-Topelite auf oder gibt man sich mit weniger zufrieden? Zweites ist der Fall.

Mit Nagelsmann verliert man einen außergewöhnlich guten Trainer. Und was solche Coaches erreichen können, bewiesen zuletzt Flick und Klopp. Mit Dayot Upamecano verlässt zudem der beste Spieler den Verein. Ihn gleichwertig zu ersetzen, ist unmöglich. Dazu drohen weitere Abgänge von Konaté und Sabitzer.

Und auch der Wechsel von Sportdirektor Markus Krösche zeigt, dass Leipzig längst nicht so groß ist, wie man es sich zwischendurch dachte. Er verlässt einen finanziell gut aufgestellten Verein, bei dem er vieles aufgebaut hat, um mit Eintracht Frankfurt in eine unsichere sportliche Zukunft zu gehen. Das muss man sich erst mal trauen!

Leipzig wird zerbrechen. Zukünftige Champions-League-Qualifikationen sind in Gefahr. Und den in dieser Spielzeit hart erkämpften Status als erster Bayern-Jäger wird man ohnehin verlieren. Das ist sicher.

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Kontra

Nein, der Umbruch ist eine Chance

Die Abgänge von Trainer Nagelsmann, Sportdirektor Krösche, Abwehrspieler Upamecano und dem bereits verliehenen Wolf sind fix. Die Zukunft von Konaté, Sabitzer und Gulácsi ist offen.

Keine Frage, das sind große Namen – dennoch ist es absurd, von einem Auseinanderbrechen zu sprechen.

RB hat einen Kader mit 28 Spielern, 15 A-Nationalspielern und diverse Megatalenten – von Angelino über Olmo, Szoboszlai, Nkunku oder Forsberg. Dazu hat Leipzig immer einen guten Plan, in der Vergangenheit schon Top-Spieler wie Werner oder Keita hervorragend ersetzt – und für diesen Sommer nun schon 75 Mio. an Transfererlösen sicher. Mit Trainer Marsch sowie ein paar fix verpflichteten Supertalenten ist der Grundstein für den nächsten Angriff auf Bayern längst gelegt. Wahrscheinlich kommt mit Patson Daka noch ein Top-Stürmer aus Salzburg, der in 38 Spielen an 41 Toren beteiligt war und eine ähnliche Quote hat wie Haaland sie bei seinem Salzburg-Engagement hatte.

Leipzig kann sich nun in Ruhe überlegen, wie der nächste Schritt gelingt. Vielleicht mit ein, zwei Bayern-Spielern, die das Titel-Gen mitbringen? Boateng und Martínez wären ablösefrei – Süle und Douglas Costa wohl günstig zu haben. Dann werden sich in der neuen Saison noch einige wundern!

Wer hat recht? 


Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.