Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Marco Rose in der kommenden Saison den Cheftrainerposten von Borussia Dortmund übernehmen könnte. Der 44-Jährige hat bei BVB-Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach zwar noch einen Vertrag bis Sommer 2022, soll aber eine Ausstiegsklausel besitzen.

Die Dortmunder Vereinsspitze hatte zuletzt offengelassen, ob Interimstrainer Edin Terzić auch nach der Saison noch das Team führen soll. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte bei "Sky", es sei "gar nichts klar". Sportdirektor Michael Zorc ergänzte: "Es gebietet mein Respekt vor Borussia Mönchengladbach und auch vor anderen Vereinen, kein weiteres Wort mehr darüber zu verlieren." 

Doch laut eines Berichts der "Ruhr Nachrichten" sollen sich die Verantwortlichen der Dortmunder inzwischen auf Rose als Wunschlösung geeinigt haben. Und dieser soll demnach einem Wechsel nach Dortmund ebenfalls "nicht abgeneigt" sein.

Rekordnationalspieler und Ex-Gladbacher Lothar Matthäus sagte zuletzt bei "Bild": "Mein Gefühl sagt mir, dass Rose zu Dortmund gehen wird."

Sollte Gladbach-Trainer Marco Rose zu Borussia Dortmund wechseln?

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Pro

Ja, dieser Wechsel wäre nicht nur für den BVB von Vorteil

Aktuell wird viel darüber philosophiert, ob ein Wechsel von Gladbach zu Dortmund für Marco Rose überhaupt eine Steigerung wäre. Dabei ist die Antwort darauf klar: Ja! Dieser Transfer wäre nicht nur für den BVB von Vorteil, auch der 44-Jährige hätte einiges davon.


Erstens: Kein Team in Deutschland ist derart gespickt mit Jungprofis der Extraklasse wie der BVB. Klar: auch Gladbach hat Toptalente im Kader, aber eben nicht in dieser Fülle. Moukoko, Bellingham, Reyna, Sancho, Haaland weiterentwickeln zu dürfen, ist dann doch noch mal etwas anderes. Und genau das kann Rose.


Zweitens: Die Wahrscheinlichkeit, mit dem BVB einen Titel zu gewinnen, ist deutlich größer. In den vergangenen zehn Jahren holte Dortmund zweimal den DFB-Pokal und zwei Meisterschaften, Gladbach hingegen ging leer aus. Der letzte nennenswerte Titel war die Zweitligameisterschaft 2008. Und auch aktuell steht Dortmund in der Tabelle wieder vor Gladbach.


Ein weiterer wichtiger Aspekt kommt noch hinzu: Sollten irgendwann wieder Fans in Bundesliga-Stadien zugelassen sein, gibt es für einen Profitrainer keinen besseren Ort als Dortmund. Der Signal Iduna Park ist mit seinen 81.000 Sitzplätzen der genialste Fußballtempel der Liga. Diese Fans hinter sich zu wissen, sollte Traum und Anreiz zugleich für jeden Trainer sein.


Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Kontra

Nein, es gibt einen anderen Top-Trainer für Dortmund

Nach Hennes Weisweiler (1,84) und Udo Lattek (1,76) hat Marco Rose den besten Punkteschnitt der Gladbacher Trainerhistorie (ohne Interimstrainer). Er macht einen tollen Job, hat die Borussia erstmals ins Champions-League-Achtelfinale geführt und ist extrem begehrt.


Zeit also für einen Wechsel zum BVB? Nein! Denn Rose ist noch nicht einmal zwei Jahre in Gladbach. Sportdirektor Max Eberl hat für ihn extra Dieter Hecking entlassen. Rose genießt Vertrauen, maximale Unterstützung und kann noch viel mehr erreichen. Er hat eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, die sogar Bayern schlagen kann. Warum also nicht in den nächsten Jahren Meister werden? Oder Pokalsieger? Warum nicht Gladbach dauerhaft zum Bayern-Konkurrenten machen? Bei einem Wechsel zu Dortmund gibt es keine Garantie, dass er längerfristig sein Glück findet. Da braucht sich Rose nur bei Peter Bosz, Lucien Favre oder Thomas Tuchel erkundigen.


Zumal es für Dortmund eine Alternative gibt: Urs Fischer hat Union Berlin von der zweiten Liga in die erste und dort Stand jetzt auf einen Europacup-Platz geführt. Das Schweizer Pendant zu Jürgen Klopp würde perfekt zum BVB passen. Und auch für Fischer wäre es der ideale nächste Schritt.


Wer hat recht?

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.